Feste Shampoo-Bars sind für Einsteiger deutlich unkomplizierter als flüssiges Shampoo, weil sie ohne Konservierungsmittel-Diskussion auskommen und ganz ohne Plastikverpackung funktionieren. Ein Stück reicht je nach Haarlänge für viele Wochen. Wichtig ist nur, dass du vorher weißt, welche Methode du wählst und wie du mit hartem Wasser umgehst.
Zwei Wege zum eigenen Shampoo-Bar
Es gibt zwei grundlegend unterschiedliche Methoden, und es ist wichtig, den Unterschied zu kennen, bevor man loslegt.
- Auf Tensid-Basis: Feste, milde Tenside werden geschmolzen und in Formen gegossen, reinigt ähnlich wie klassisches Shampoo, ist aber technisch aufwändiger zu beschaffen
- Auf Seifen-Basis: Klassische kaltgerührte Seife, nur für die Haarwäsche optimiert, einfacher herzustellen, kann aber bei hartem Wasser die Haare beschweren
Material
- Eine milde, rückfettende Seifenmischung, angesetzt mit pflegenden Ölen wie Rizinusöl (Grundrezept siehe Seife selber machen im Kaltverfahren)
- Eine Silikonform für Shampoo-Bars, zum Beispiel NPEX Silikon-Seifenform (rechteckig, 6 Mulden)
- Schutzausrüstung für die Arbeit mit Lauge: uvex x-fit Schutzbrille (chemikalienbeständig) und PRO FIT Nitril-Chemikalienschutzhandschuhe
- Für die saure Spülung: 1 EL Apfelessig und 1 Liter Wasser
- Eine Seifenschale mit Ablauf
Anleitung: Seifenbasiertes Shampoo-Bar
- Einfach einsteigen: Der einfachste Einstieg ist eine milde, rückfettende Seife, die speziell mit pflegenden Ölen wie Rizinusöl angesetzt wird. Die Mengen berechnest du wie bei jeder Seife mit einem Laugenrechner.
- In Form gießen: Die fertig gerührte Seifenmasse in die Silikonform für Shampoo-Bars gießen.
- Reifen lassen: Wichtig: mindestens 4–6 Wochen reifen lassen, bevor sie verwendet wird, Seifen brauchen diese Zeit, um mild zu werden.
- Haare waschen: Den Bar ein paarmal über das nasse Haar streichen oder zwischen den Händen aufschäumen, einmassieren und gründlich ausspülen.
- Sauer spülen: 1 EL Apfelessig auf 1 Liter Wasser, nach dem Shampoonieren über die Haare gießen, kurz einwirken lassen, ausspülen. Das neutralisiert den Film und macht das Haar wieder geschmeidig.
- Trocknen lassen: Nach Gebrauch auf einer Seifenschale mit Ablauf trocknen lassen.
⚠️ Sicherheitshinweis: Für kaltgerührte Seife wird Natronlauge aus Natriumhydroxid benötigt – sie ist stark ätzend. Schutzbrille, Handschuhe und lange Kleidung tragen, gut lüften und Kinder sowie Haustiere fernhalten. Immer die Lauge ins Wasser geben, niemals Wasser auf die Lauge, denn es kann heftig spritzen und sehr heiß werden. Nur Edelstahl-, Glas- oder hitzebeständige Kunststoffgefäße verwenden, kein Aluminium. Spritzer auf der Haut sofort mit viel Wasser abspülen, bei Augenkontakt mindestens 15 Minuten spülen und ärztliche Hilfe holen. Die frischen Shampoo-Bars 4–6 Wochen reifen lassen, bevor sie benutzt werden.
Tipps aus der Selbstversorger-Praxis
- Das Problem mit hartem Wasser: Seifenbasierte Shampoo-Bars reagieren mit den Mineralien in hartem Wasser und können einen Film auf dem Haar hinterlassen, der die Haare schwer wirken lässt. Abhilfe schafft die saure Spülung aus Schritt 5.
- Umstellungsphase einplanen: Beim Wechsel von herkömmlichem Shampoo auf feste Bars durchläuft die Kopfhaut häufig eine zwei- bis vierwöchige Umgewöhnungsphase, in der Haare fettiger wirken können, während sich die Talgproduktion neu reguliert. Das ist normal und legt sich meist von selbst.
- Kräuter für die Spülung: Setz den Apfelessig vorher mit Rosmarin oder Brennnessel an. Beides wächst oft im eigenen Garten und lässt sich gut vorrätig halten, siehe Kräuter richtig trocknen.
- Kleine Stücke schneiden: Halbiere große Bars und benutze immer nur eine Hälfte. Die andere bleibt trocken und hält so deutlich länger.
- Reste nicht wegwerfen: Kleine Seifenreste in einem Säckchen aus Leinen sammeln und als Waschlappen-Ersatz für den Körper aufbrauchen.
- Pflegekräuter selbst anbauen: Rosmarin, Kamille oder Ringelblume für Haarspülung und Ölauszüge ziehst du ganz einfach im Beet oder auf dem Balkon. Wann du sie säst, pflanzt oder erntest, findest du übersichtlich in meinem kostenlosen Pflanzkalender.
Haltbarkeit
Nach der Reifezeit von 4–6 Wochen sind seifenbasierte Shampoo-Bars lange haltbar, trocken und dunkel gelagert mindestens ein Jahr. Nach Gebrauch immer auf einer Seifenschale mit Ablauf trocknen lassen: Ständige Nässe lässt jede feste Seife schneller aufweichen und verkürzt die Nutzungsdauer erheblich. Riecht ein Bar nach vielen Monaten ranzig, sind die Öle oxidiert und er sollte ersetzt werden.
Fazit
Mit einer milden, rückfettenden Seife, etwas Geduld bei der Reifezeit und einer sauren Spülung bei hartem Wasser gelingt dir ein eigenes Shampoo ganz ohne Plastikflasche. Plane die Umstellungsphase ein und respektiere die Lauge, dann steht deinem Haar-Experiment nichts im Weg.
Benutzt du schon feste Shampoo-Bars? Wie kommt dein Haar mit der Umstellung zurecht? Schreib es mir in die Kommentare!


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