Bienen gut überwintern: So bereitest du deine Völker richtig vor

Bienenstöcke werden für den Winter vorbereitet

Wie gut ein Bienenvolk den Winter übersteht, entscheidet sich meist schon im Spätsommer und Herbst. Wer jetzt die richtigen Vorbereitungen trifft, sorgt für ein starkes, gesundes Volk, das im Frühjahr wieder kraftvoll durchstartet.

Der Herbst-Check im Überblick

  • Futtervorrat kontrollieren und auffüllen
  • Letzte Varroabehandlung durchführen
  • Volksstärke einschätzen und ggf. vereinigen
  • Beute gegen Mäuse und Feuchtigkeit sichern
  • Windschutz und Standort prüfen

Ausreichend Winterfutter sicherstellen

Ein Volk braucht je nach Beutengröße und Region zwischen 15 und 20 kg Futter, um sicher über den Winter zu kommen. Ab August wird der entnommene Honig schrittweise durch Zuckerwasser oder fertigen Futterteig ersetzt. Eine einfache Faustregel: Beim Anheben der Beute von hinten sollte sie spürbar schwer sein, ein zu leichtes Volk braucht dringend Nachfütterung.

Die letzte Varroabehandlung

Im Spätherbst, wenn das Volk brutfrei ist (in der Regel etwa drei Wochen nach dem ersten stärkeren Frost), erfolgt die entscheidende Winterbehandlung gegen die Varroamilbe. Nur im brutfreien Zustand erreicht die Behandlung auch die Milben, die sonst in verdeckelten Brutzellen geschützt wären. Bewährt hat sich dafür die Träufelbehandlung mit einer für Bienen zugelassenen Oxalsäure-Lösung (Tierarzneimittel), die du in der Apotheke oder im Imkerfachhandel bekommst. Sie wird bei kühler Witterung angewendet, während die Bienen in der Wintertraube sitzen – die genaue Temperaturspanne steht in der Gebrauchsinformation. Halte dich genau an diese Angaben und dokumentiere die Behandlung im Bestandsbuch.

Schwache Völker vereinigen

Ein zu kleines Volk hat es im Winter schwer, genug Wärme in der Wintertraube zu halten. Schwache Völker lassen sich im Spätsommer mit einem stärkeren Volk vereinigen (Zeitungsmethode), das erhöht die Überlebenschancen deutlich gegenüber zwei separaten, schwachen Völkern.

Schutz vor Mäusen und Feuchtigkeit

Ein Mäusegitter am Flugloch verhindert, dass sich Mäuse im warmen, futterreichen Bienenstock einnisten, was für das Volk verheerend sein kann. Zusätzlich sollte die Beute vor Nässe geschützt sein: Ein Beutenständer hält sie vom feuchten Boden fern, eine korrekt sitzende, gut isolierte Abdeckung schützt von oben vor Regen und Kondenswasser. Denn Kälte macht den Bienen weniger aus als dauerhafte Nässe im Stock.

Windschutz und Standort

Ein vor Wind geschützter Standort erleichtert es dem Volk, die Innentemperatur zu halten. Falls möglich, die Beuten leicht nach vorne geneigt aufstellen, damit Kondenswasser ablaufen kann, statt sich am Boden zu sammeln.

Ruhe bewahren im Winter

Nach der Einwinterung sollte die Beute möglichst wenig geöffnet werden. Jede Störung kostet das Volk wertvolle Energie und Wärme. Ein kurzer Blick von außen (Aktivität am Flugloch an milden Tagen) reicht in der Regel aus, um den Zustand des Volkes einzuschätzen.

⚠️ Sicherheitshinweis: Oxalsäure ist giftig und ätzend. Nur in Deutschland, Österreich bzw. der Schweiz zugelassene Tierarzneimittel verwenden und exakt nach Gebrauchsinformation dosieren. Beim Träufeln säurefeste Handschuhe, Schutzbrille und geeigneten Atemschutz tragen und Wasser zum Abspülen von Spritzern bereithalten. Die Säure sicher verschlossen und für Kinder unerreichbar lagern. Jede Behandlung im Bestandsbuch dokumentieren und nie bei aufgesetztem Honigraum oder während der Honigtracht behandeln.

Tipps aus der Selbstversorger-Praxis

  • Beute wiegen statt raten: Mit einer einfachen Kofferwaage am hinteren Beutenrand bekommst du ein gutes Gefühl für den Futtervorrat. Notiere den Wert im Herbst und vergleiche im Januar.
  • Die Windel lesen: Eine Diagnosewindel im Winter zeigt dir am Gemüll, wo die Wintertraube sitzt, wie groß sie ist und wie viele Milben abfallen, ganz ohne die Beute zu öffnen.
  • Schutzausrüstung bereitlegen: Für die Winterbehandlung gehören eine dicht schließende Schutzbrille (uvex x-fit) und säurefeste Nitril-Handschuhe griffbereit neben die Beute, dazu ein Eimer klares Wasser zum Spülen.
  • Beuten gegen Sturm sichern: Ein schwerer Stein oder ein Spanngurt auf dem Deckel verhindert, dass Winterstürme die Abdeckung abheben oder die Beute umwerfen.
  • Die Winterpause nutzen: Reinige in der ruhigen Zeit Rähmchen, Zargen und Werkzeug und plane die kommende Saison. Die Grundlagen der Volkspflege findest du in Bienen richtig pflegen.
  • Vorfreude auf die Ernte: Wenn das Volk gut überwintert, wartet im Sommer der Lohn. Wie du Honig richtig erntest, liest du in Honig ernten und schleudern.
  • Termine im Blick behalten: Wann du bienenfreundliche Blühpflanzen und Kräuter säst und pflanzt, findest du übersichtlich in meinem kostenlosen Pflanzkalender.

Fazit

Ausreichend Futter, eine gezielte letzte Varroabehandlung, ein geschützter Standort und möglichst wenig Störung im Winter sind die wichtigsten Bausteine für ein Volk, das gut durch die kalte Jahreszeit kommt und im Frühjahr wieder kraftvoll startet.

Wie bereitest du deine Bienenvölker auf den Winter vor, und welche Erfahrungen hast du gemacht? Schreib es mir in die Kommentare!


Entdecke mehr von Selbstversorger Kompass

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Das könnte dich auch interessieren


Comments

3 Kommentare zu „Bienen gut überwintern: So bereitest du deine Völker richtig vor“

  1. […] Ab August wird der entnommene Honig durch Winterfutter (meist Zuckerwasser oder Fertigfutterteig) ersetzt, damit das Volk über die kalten Monate ausreichend Reserven hat. Ein durchschnittliches Volk braucht je nach Region und Beutengröße zwischen 15 und 20 kg Futter für den Winter. Nach der Fütterung sollte die Beute gegen Mäuse gesichert werden (Mäusegitter am Flugloch) und eine letzte Varroabehandlung mit Oxalsäure in der brutfreien Zeit im Spätherbst erfolgen. Ausführlicher dazu im Artikel Bienen gut überwintern. […]

  2. […] Das Bienenjahr im Blick: Wie du deine Völker durch die Saison begleitest, liest du unter Bienen richtig pflegen. Für den Herbst findest du alles Wichtige unter Bienen gut überwintern. […]

  3. […] Nach der Ernte ans Einfüttern denken: Nimmst du im Spätsommer den letzten Honig ab, fehlt dem Volk der Wintervorrat. Plane die Auffütterung deshalb direkt im Anschluss ein, damit die Bienen das Futter noch rechtzeitig einlagern können. Wie du dabei vorgehst, liest du in Bienen gut überwintern: So bereitest du deine Völker richtig vor. […]

Schreibe einen Kommentar

Entdecke mehr von Selbstversorger Kompass

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen