Die Honigernte ist der lohnende Höhepunkt der Imkersaison: Nach Monaten der Pflege steht endlich der eigene, unverfälschte Honig im Glas. Der richtige Zeitpunkt und die saubere Verarbeitung entscheiden dabei über Qualität und Haltbarkeit.
Wann Honig erntereif ist
Honig ist erst erntereif, wenn die Bienen die Waben mit einer dünnen Wachsschicht verdeckelt haben – das zeigt an, dass der Wassergehalt niedrig genug ist (unter 18 %) und der Honig nicht mehr gärt. Unreifer, unverdeckelter Honig hat noch zu viel Feuchtigkeit und würde im Glas vergären. Als grobe Faustregel gilt: mindestens zwei Drittel der Wabenfläche sollten verdeckelt sein.
Waben entnehmen
Mit dem Smoker die Bienen beruhigen, dann die verdeckelten Honigwaben vorsichtig aus der Beute heben und die Bienen mit einer weichen Bürste sanft abkehren. Nur Waben aus dem Honigraum entnehmen, nicht aus dem Brutraum, in dem sich Nachwuchs und Wintervorrat für das Volk befinden.
Entdeckeln
Vor dem Schleudern muss die Wachsschicht von den Waben entfernt werden. Dafür eignet sich eine Entdeckelungsgabel wie die APIFORMES Entdeckelungsgabel mit 21 gebogenen Nadeln, die die dünne Wachsschicht abkratzt, ohne die Wabenstruktur selbst zu beschädigen. Das abgekratzte Wachs (Entdeckelungswachs) lässt sich später einschmelzen und für Kerzen oder Kosmetik weiterverwenden.
Schleudern
Die entdeckelten Waben kommen in eine Honigschleuder wie die Arebos Honigschleuder aus Edelstahl mit Handkurbel (Tangentialschleuder für 4 Waben), die den Honig durch Zentrifugalkraft aus den Waben schleudert, ohne die Wabenstruktur selbst zu zerstören – die leeren Waben können den Bienen danach zur Wiederverwendung zurückgegeben werden, was ihnen viel Aufbauarbeit erspart.
Sieben und Abfüllen
Den frisch geschleuderten Honig durch ein Doppelsieb wie das APIFORMES Doppelsieb Classic aus Edelstahl (Ø 23 cm) laufen lassen, das Wachsreste und Verunreinigungen zurückhält, aber die wertvollen Pollen im Honig belässt. Danach 1–2 Tage in einem Absetzbehälter ruhen lassen, damit aufsteigende Luftblasen entweichen können, bevor der Honig in Gläser abgefüllt wird.
Wie viel Honig für die Bienen bleiben muss
Nur den Überschuss aus dem Honigraum ernten – das Volk selbst braucht für den Winter 15–20 kg eigenen Honig oder Winterfutter als Reserve. Zu gierige Ernte gefährdet das Überleben des Volkes über die kalte Jahreszeit.
⚠️ Wichtig: Honig ist nicht für Babys unter 1 Jahr geeignet, da er Sporen von Botulismus-Bakterien enthalten kann, die für Säuglinge gefährlich sind. Trag bei der Ernte immer Schutzkleidung mit Schleier und Handschuhen. Bist du allergisch auf Bienenstiche oder reagierst stark, halte ein Notfallset bereit und arbeite nie allein am Bienenstand.
Tipps aus der Selbstversorger-Praxis
Warmes Flugwetter nutzen: Ernte am besten an einem warmen, sonnigen Tag zur Mittagszeit, wenn viele Sammlerinnen unterwegs sind und das Volk ruhiger bleibt. Bei Regen oder Kälte reagieren die Bienen deutlich gereizter. Wenn du noch am Anfang stehst, findest du die Grundlagen in Imkern für Einsteiger: Lohnt sich die eigene Bienenhaltung?
Nach der Ernte ans Einfüttern denken: Nimmst du im Spätsommer den letzten Honig ab, fehlt dem Volk der Wintervorrat. Plane die Auffütterung deshalb direkt im Anschluss ein, damit die Bienen das Futter noch rechtzeitig einlagern können. Wie du dabei vorgehst, liest du in Bienen gut überwintern: So bereitest du deine Völker richtig vor.
Entdeckelungswachs sinnvoll nutzen: Lass das Entdeckelungswachs in einem Sieb gut abtropfen, so gewinnst du noch einen Teil Honig zurück. Danach schmilzt du es ein und verarbeitest es weiter, zum Beispiel wie in Kerzen selber gießen oder zu Lippenbalsam.
Sauber und bienendicht arbeiten: Schleudere in einem geschlossenen Raum, in den keine Bienen hineinfliegen können, und lass keine Honigreste offen stehen. Offener Honig lockt fremde Bienen an und kann Räuberei zwischen den Völkern auslösen. Wie du dein Volk über die Saison gesund und stark hältst, zeigt der Beitrag Bienen richtig pflegen.
Termine im Blick behalten: Wann du bienenfreundliche Pflanzen wie Phacelia, Borretsch oder Lavendel säst, pflanzt oder erntest, findest du übersichtlich in meinem kostenlosen Pflanzkalender.
Haltbarkeit und Lagerung
Richtig reif geernteter und sauber abgefüllter Honig ist bei kühler, dunkler Lagerung praktisch unbegrenzt haltbar. Kristallisation ist dabei ein natürlicher Prozess und kein Qualitätsmangel – kristallisierter Honig lässt sich im lauwarmen Wasserbad (nicht über 40 °C, sonst gehen wertvolle Enzyme verloren) wieder verflüssigen.
Fazit
Die Honigernte gelingt, wenn du geduldig auf verdeckelte Waben wartest und nur den Überschuss aus dem Honigraum entnimmst. Entdeckeln, Schleudern, Sieben und Abfüllen sind mit dem passenden Werkzeug kein Hexenwerk und schonen die Waben, die deine Bienen wiederverwenden können. So steht am Ende reifer, sauber verarbeiteter Honig im Glas, der sich kühl und dunkel gelagert praktisch unbegrenzt hält.
Hast du schon deine erste eigene Honigernte hinter dir? Wie ist sie ausgefallen? Schreib es mir in die Kommentare!


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