Die Brennnessel gilt bei vielen als lästiges Unkraut – für Selbstversorger ist sie ein Schatz. Aus ihren Blättern und Stielen entsteht mit etwas Regenwasser und Geduld eine Jauche, die reich an Stickstoff, Kalium und Spurenelementen ist. Sie düngt deine Gemüsepflanzen auf natürliche Weise, fördert das Bodenleben und macht Pflanzen widerstandsfähiger – und das alles kostenlos. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du Brennnesseljauche Schritt für Schritt ansetzt, richtig verdünnst und sinnvoll im Garten einsetzt.
Zutaten
- 1 kg frische Brennnesseln (Blätter und Stiele, ohne Samen) oder 150 bis 200 g getrocknete Brennnesseln
- 10 l Regenwasser
- 1 Handvoll Urgesteinsmehl gegen den Geruch
Material
- Mörtelkübel 90 l aus Kunststoff – alternativ ein großer Eimer oder eine Holztonne, aber kein Metall
- Gärtner’s Urgesteinsmehl (10 kg) zum Binden der Gerüche
- GARDENA Gartenschere B/S-XL zum Schneiden der Brennnesseln
- PRO FIT Nitril-Handschuhe und lange Ärmel
- Ein Gitter, Holzbrett oder Jutetuch zum Abdecken, ein langer Holzstab zum Umrühren und eine Gießkanne
Anleitung: Brennnesseljauche Schritt für Schritt
- Brennnesseln ernten: Schneide die Brennnesseln mit Handschuhen am besten vor der Blüte, wenn sie noch keine Samen tragen. Sonst verteilst du mit der Jauche später Brennnesselsamen im Beet.
- Zerkleinern: Schneide die Pflanzen mit der Gartenschere grob klein. Je kleiner die Stücke, desto schneller läuft die Gärung.
- Ansetzen: Gib die Brennnesseln in den Behälter und übergieße sie mit dem Regenwasser, bis alles bedeckt ist. Lass oben etwa ein Viertel des Behälters frei, denn die Jauche schäumt beim Gären.
- Gesteinsmehl einstreuen: Streue eine Handvoll Urgesteinsmehl darüber. Es bindet einen Teil der Gerüche und reichert die Jauche zusätzlich mit Mineralien an.
- Abdecken und aufstellen: Decke den Behälter mit einem Gitter, Brett oder Jutetuch ab – luftdurchlässig, aber so, dass keine Tiere hineinfallen können. Stelle ihn an einen sonnigen, etwas abgelegenen Platz, denn die Jauche riecht kräftig.
- Täglich umrühren: Rühre die Mischung einmal am Tag kräftig mit dem Holzstab um. So kommt Sauerstoff hinein, und die Gärung verläuft gleichmäßig.
- Reifegrad prüfen: Je nach Temperatur ist die Jauche nach 10 bis 14 Tagen fertig. Du erkennst es daran, dass sie dunkel geworden ist und kaum noch schäumt.
- Verdünnen und gießen: Verdünne die fertige Jauche zum Gießen im Verhältnis 1:10 mit Wasser, für junge Pflanzen 1:20. Gieße damit alle zwei Wochen direkt an die Wurzeln, am besten an trüben Tagen oder abends.
⚠️ Sicherheitshinweis: Trage beim Ernten und Ansetzen Handschuhe und lange Ärmel. Verwende die Jauche nie unverdünnt, sonst verbrennen die Wurzeln. Gieße sie nicht über die Blätter von Salat, Kräutern oder anderem Gemüse, das du bald roh isst, und wasche alles vor dem Verzehr gründlich. Halte den Behälter immer abgedeckt, damit weder Kinder noch Haustiere oder Igel hineinfallen können.
Tipps aus der Selbstversorger-Praxis
Für Starkzehrer, nicht für alle: Brennnesseljauche ist ideal für hungrige Pflanzen wie Tomaten, Gurken, Kürbis, Zucchini und Kohl. Erbsen, Bohnen, Zwiebeln und Knoblauch brauchen sie dagegen nicht. Wie du deine Pflanzen insgesamt richtig gießt und düngst, liest du in Gemüse richtig pflegen.
Kaltwasserauszug gegen Blattläuse: Lässt du die Brennnesseln nur 12 bis 24 Stunden im Wasser ziehen, erhältst du einen Auszug ohne Gärung. Unverdünnt auf die Blätter gesprüht, hilft er gegen Blattläuse. Für den Ansatz nutzt du am besten gesammeltes Regenwasser – wie das geht, zeige ich in Regenwasser im Garten nutzen.
Reste auf den Kompost: Die ausgegorenen Pflanzenreste sind ein hervorragender Kompostbeschleuniger. Gib sie einfach auf den Komposthaufen – mehr dazu in Kompostieren: Grundlagen. Junge Brennnesselspitzen kannst du übrigens auch essen, wie in Wildkräuter erkennen und nutzen.
Zur richtigen Zeit düngen: Am meisten bringt die Jauche während der Wachstumsphase von Mai bis August. Ab September düngst du nicht mehr, damit die Pflanzen ausreifen können. Wann welches Gemüse wächst und gedeiht, zeigt dir mein kostenloser Pflanzkalender.
Haltbarkeit
Fertige Brennnesseljauche hält sich abgedeckt an einem schattigen Ort mehrere Wochen bis wenige Monate. Gieße die Pflanzenreste ab, damit sie nicht weiter faulen, und rühre die Jauche gelegentlich um. Vor dem Winter solltest du die Reste aufbrauchen oder auf den Kompost geben, denn bei Frost kann der Behälter platzen. Getrocknete Brennnesseln halten sich trocken und luftig gelagert etwa ein Jahr, sodass du auch im zeitigen Frühjahr eine neue Jauche ansetzen kannst.
Fazit
Brennnesseljauche ist einer der einfachsten und günstigsten Dünger für den Selbstversorgergarten. Mit Brennnesseln, Regenwasser und etwas Geduld entsteht in zwei Wochen ein nährstoffreicher Pflanzenstärker. Wichtig sind das tägliche Umrühren, die richtige Verdünnung und der gezielte Einsatz bei Starkzehrern. So wird aus einem vermeintlichen Unkraut ein wertvoller Helfer für deine Ernte.
Hast du schon einmal Brennnesseljauche angesetzt, und bei welchen Pflanzen setzt du sie am liebsten ein? Schreib es mir in die Kommentare!


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