Wenn der Garten im Winter ruht, kannst du im Keller weiter ernten: Chicorée ist eines der wenigen Gemüse, das mitten in der kalten Jahreszeit frisch wächst – ganz ohne Licht. Im Sommer ziehst du kräftige Wurzeln im Beet, im Herbst gräbst du sie aus, und im Winter treiben sie im Dunkeln die typischen hellen, knackigen Sprosse mit ihrem feinen, leicht bitteren Geschmack. Das klingt aufwendig, ist aber erstaunlich einfach. In diesem Beitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du Chicorée selbst treibst.
Material
- Dürr Chicorée-Saatgut „Brüsseler Witloof“ für die Wurzeln im nächsten Jahr
- Fiskars Grabegabel zum Ausgraben der langen Wurzeln
- Mörtelkübel 90 l oder ein großer Eimer als Treibgefäß
- Olakin Thermo-Hygrometer zum Kontrollieren der Temperatur im Treibraum
- Feuchter Sand oder Gartenerde, schwarze Folie, ein umgedrehter Eimer oder ein Karton zum Abdunkeln
- Scharfes Messer
Anleitung: Chicorée Schritt für Schritt treiben
- Wurzeln vorbereiten: Säe Chicorée im Mai oder Juni direkt ins Beet. Die Pflanzen bilden bis zum Herbst kräftige, rübenartige Wurzeln. Lass das Laub im Sommer stehen, denn es versorgt die Wurzel mit Kraft.
- Wurzeln ernten: Grabe die Wurzeln von Ende Oktober bis November aus, am besten nach den ersten leichten Frostnächten. Lockere den Boden mit der Grabegabel, damit die langen Wurzeln nicht abbrechen. Geeignet sind Wurzeln mit 3 bis 5 cm Durchmesser.
- Laub und Wurzeln kürzen: Schneide das Laub etwa 2 bis 3 cm über dem Wurzelhals ab, ohne das Herz zu verletzen. Kürze die Wurzeln unten auf eine Länge von 15 bis 20 cm, damit alle gleich hoch im Gefäß stehen.
- Einlagern oder direkt treiben: Lege die Wurzeln, die du nicht sofort treiben willst, in feuchten Sand und lagere sie bei 0 bis 2 °C kühl und dunkel. So kannst du sie den ganzen Winter über nach und nach antreiben.
- Ins Treibgefäß stellen: Fülle das Gefäß etwa 25 cm hoch mit feuchter Erde oder Sand und stelle die Wurzeln dicht an dicht senkrecht hinein. Der Wurzelhals sollte mit der Oberfläche abschließen. Gieße einmal kräftig an.
- Vollständig abdunkeln: Decke das Gefäß mit schwarzer Folie, einem umgedrehten Eimer oder einem Karton ab. Chicorée braucht absolute Dunkelheit – schon wenig Licht macht die Sprosse grün und bitter.
- Bei der richtigen Temperatur treiben: Stelle das Gefäß in einen Keller oder Raum mit 10 bis 18 °C. Halte die Erde leicht feucht, aber nicht nass. Bei kühlen Temperaturen dauert das Treiben länger, die Sprosse werden dafür fester.
- Ernten: Nach drei bis fünf Wochen sind die Sprosse etwa 12 bis 15 cm lang und geschlossen. Schneide oder breche sie direkt über der Wurzel ab. Oft treibt die Wurzel danach noch einmal kleinere Sprosse nach.
⚠️ Hinweis: Kontrolliere die Wurzeln während des Treibens regelmäßig. Sind sie zu nass oder steht das Gefäß zu warm, können sie faulen oder schimmeln – entferne faulige Wurzeln sofort, damit die anderen gesund bleiben. Achte außerdem darauf, dass der Raum gut belüftet ist, und verwende nur frische, feste Sprosse.
Tipps aus der Selbstversorger-Praxis
Gestaffelt treiben: Setze nicht alle Wurzeln auf einmal an, sondern alle zwei bis drei Wochen eine neue Portion. So hast du von Dezember bis März immer frischen Chicorée. Die Wurzeln lagerst du bis dahin wie anderes Wurzelgemüse, mehr dazu in Wurzelgemüse in Sand lagern.
Weiteres Wintergemüse: Chicorée passt perfekt zu anderen Gemüsen, die im Winter frisch auf den Tisch kommen. Probiere auch Feldsalat oder Schwarzwurzeln.
Grünes aus der Küche: Wer keinen Keller hat, kann im Winter auch auf der Fensterbank ernten – etwa mit Microgreens oder Sprossen aus dem Glas.
Aussaat im nächsten Jahr planen: Damit du im kommenden Winter eigene Wurzeln treiben kannst, säst du Chicorée im Frühsommer. Den genauen Termin findest du in meinem kostenlosen Pflanzkalender.
Haltbarkeit
Frisch geernteter Chicorée hält sich in ein feuchtes Küchentuch gewickelt im Gemüsefach etwa eine Woche. Bewahre ihn unbedingt dunkel auf, denn im Licht werden die Blätter grün und bitter. Die eingelagerten Wurzeln bleiben in feuchtem Sand bei 0 bis 2 °C bis ins Frühjahr treibfähig. Weiche, braune oder schleimige Sprosse gehören auf den Kompost.
Fazit
Chicorée selbst zu treiben ist eine der besten Möglichkeiten, mitten im Winter frisches Gemüse aus eigenem Anbau zu ernten. Mit kräftigen Wurzeln aus dem Sommer, einem lichtdichten Gefäß und gleichmäßiger Feuchtigkeit gelingen dir zarte, helle Sprosse. Wenn du die Wurzeln gestaffelt antreibst, hast du den ganzen Winter über Nachschub.
Hast du schon einmal Chicorée selbst getrieben, und wie isst du ihn am liebsten – roh im Salat oder gebacken? Schreib es mir in die Kommentare!


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