Wenn im Herbst die Tage kürzer werden und die meisten Gemüse ihre Saison beenden, fängt der Winterportulak erst richtig an. Das unscheinbare Kraut, auch Postelein oder Tellerkraut genannt, keimt schon bei wenigen Grad, verträgt Frost bis etwa minus 20 Grad und liefert dir von November bis ins Frühjahr zarte, saftige Blätter mit mildem, leicht nussigem Geschmack. Dazu steckt er voller Vitamin C und Mineralstoffe – genau das, was du im Winter brauchst. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du Winterportulak im Beet, Hochbeet oder Gewächshaus anbaust und den ganzen Winter erntest.
Material
- Sperli Winterportulak Saatgut – bewährt und günstig
- Alternativ: Samenliebe Bio-Winterpostelein Saatgut in samenfester Bioqualität
- dobar Frühbeet-Aufsatz für die Aussaat im Spätherbst
- EcoGard Gartenvlies zum Abdecken bei starkem Frost
- Samentütchen aus Papier für selbst gewonnenes Saatgut
- Harke, ein Brett zum Andrücken, Gießkanne mit feinem Brausekopf
Anleitung: Winterportulak Schritt für Schritt anbauen
- Den richtigen Zeitpunkt wählen: Winterportulak säst du im Freiland von Ende August bis Mitte Oktober. Im unbeheizten Gewächshaus, im Frühbeet oder im abgedeckten Hochbeet gelingt die Aussaat noch bis in den November. Er keimt am besten bei kühlen 8 bis 12 Grad – bei Wärme über 20 Grad keimt er schlecht.
- Standort aussuchen: Er wächst in der Sonne wie im Halbschatten und kommt mit fast jedem lockeren, humosen Boden zurecht. Ideal ist ein Platz, an dem vorher Bohnen, Tomaten oder Kartoffeln standen.
- Beet vorbereiten: Entferne Unkraut und Ernterückstände, lockere den Boden leicht und harke ihn fein. Eine dünne Schicht reifer Kompost genügt als Dünger, denn Winterportulak ist ein Schwachzehrer.
- Säen: Ziehe flache Rillen im Abstand von 15 bis 20 cm oder streue die feinen Samen breitwürfig aus. Winterportulak ist ein Lichtkeimer: Bedecke die Samen nur hauchdünn mit Erde und drücke sie mit einem Brett gut an.
- Feucht halten: Gieße mit feinem Strahl und halte die Erde bis zur Keimung gleichmäßig feucht, aber nicht nass. Nach ein bis drei Wochen erscheinen die ersten Keimblätter.
- Vereinzeln: Stehen die Pflänzchen zu dicht, ziehe sie auf etwa 10 cm Abstand auseinander. Die ausgedünnten Sämlinge kannst du direkt als Salat essen.
- Vor Kahlfrost schützen: Winterportulak ist sehr frosthart, wächst unter Vlies oder im Frühbeet aber deutlich zügiger und bleibt zarter. Lüfte an sonnigen Tagen, damit sich keine Staunässe bildet.
- Ernten: Etwa sechs bis acht Wochen nach der Aussaat schneidest du die Blätter etwa 2 cm über dem Boden ab. Lass das Herz stehen, dann treibt die Pflanze immer wieder nach und du kannst mehrmals ernten. Ernte nur an frostfreien Tagen.
⚠️ Wichtig: Winterportulak (Claytonia perfoliata) ist nicht mit dem Sommerportulak (Portulaca oleracea) verwandt, der Frost nicht verträgt. Achte beim Saatgutkauf deshalb auf die Bezeichnung „Winterportulak“, „Postelein“ oder „Claytonia“. Wie viele Blattgemüse kann Winterportulak Nitrat und Oxalsäure enthalten – iss ihn abwechslungsreich, ernte möglichst nachmittags und gib ihn Babys nur in kleinen Mengen.
Tipps aus der Selbstversorger-Praxis
Gestaffelt säen: Säe ab September alle zwei bis drei Wochen eine kleine Reihe nach. So reift nicht alles gleichzeitig, und du hast den ganzen Winter frisches Grün. Ein perfekter Partner im Winterbeet ist Feldsalat, weitere Ideen findest du in Herbstbeet richtig bepflanzen.
Gewächshaus und Hochbeet nutzen: Unter Glas oder im Hochbeet wächst Winterportulak auch in den dunklen Monaten weiter und bringt die größten Ernten. Wie du beides für den Winter vorbereitest, liest du in Gewächshaus für den Herbst vorbereiten und Hochbeet winterfest machen.
Selbst aussäen lassen: Lässt du im Frühjahr einige Pflanzen blühen, säen sie sich zuverlässig selbst aus und erscheinen im Herbst von allein wieder. Wie du die Samen gezielt sammelst, zeige ich dir in Saatgut sammeln und vermehren.
Frisches Grün ergänzen: Für noch mehr Vitamine im Winter kombinierst du Winterportulak mit Microgreens von der Fensterbank oder mit selbst getriebenem Chicorée.
Aussaattermine im Blick behalten: Damit du im nächsten Jahr den besten Zeitpunkt nicht verpasst, findest du alle Termine für Winterportulak und weiteres Wintergemüse in meinem kostenlosen Pflanzkalender.
Haltbarkeit
Am frischesten bleibt Winterportulak im Beet, wo du ihn nach Bedarf erntest. Geschnittene Blätter halten sich in einem feuchten Küchentuch oder einer Frischhaltedose im Gemüsefach etwa zwei bis drei Tage. Wasche sie erst kurz vor dem Essen. Zum Einfrieren eignet sich Winterportulak nicht, da die zarten Blätter dabei matschig werden – in Suppen oder Smoothies kannst du gefrorene Blätter aber noch verwenden.
Fazit
Winterportulak ist eines der dankbarsten Wintergemüse für Selbstversorger: Er keimt bei Kälte, ist äußerst frosthart, wächst fast überall und treibt nach jedem Schnitt wieder aus. Säe ihn bis Mitte Oktober im Freiland oder bis November unter Glas, halte die Saat feucht und schütze ihn bei Kahlfrost. So erntest du den ganzen Winter frisches, vitaminreiches Grün für Salate, Smoothies und Brote.
Hast du Winterportulak schon einmal angebaut, und isst du ihn lieber pur als Salat oder gemischt mit Feldsalat? Schreib es mir in die Kommentare!


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